Kalter Wind bläst Robert ins Gesicht. Die Luft riecht nach Schnee, und die dunkle Wand, die den Himmel über der Häuserfront ausfüllt, lässt kaum Zweifel, was es bald geben wird. Schnee! Sehr wahrscheinlich – Schnee! Robert kennt diese Luft, diese Art von Witterung.
Er sieht sich vor die Tür flitzen, vernimmt den schweren Schritt des Großvaters, spürt dessen große, klobige Hand ganz leicht auf seiner Schulter, sieht ihn nach oben blicken und die Nase heben, hört ihn ganz bedächtig sagen: "Die Luft riecht nach Schnee!" Und kaum eine Stunde später war diese düstere, graue Himmelsdecke mit ungestümem, weißem Flockenwirbel aufgebrochen.
Der Gedanke an Schnee und Eis löst bei ihm Anheimelndes aus. Sein Gespür und Empfinden für Schnee rühren aus der Kindheit im Erzgebirge her.
Oft lag schon im November "Puderzucker" über den Höhen, bald darauf waren Fülle wie Strenge des Winters allgegenwärtig, und noch Ende März leckte die Sonne an Schneeresten. Weihnachten und Schnee, oft schon reichlich, gehörten damals zusammen. Sehr tief ist in Erinnerung geblieben, wie Alt und Jung am Heiligabend über den Berg strömten, eine Stunde bis zum Kirchlein im Nachbardorf. Die Kinder sprangen um die Eltern herum, lärmten, kreischten, bewarfen sich mit Schneebällen, bis es eiskalt in den Fingern zwickte.
Bei großer Kälte stiebten sie sich frischen Pulverschnee ins Gesicht, der wie Puderzucker auf Nase und Brauen klebte. Überall strahlte der Lichterglanz in den prunkvoll geschmückten Fenstern gegen die bissige Kälte an, und die Herzen waren voller heiterer Wärme. Doch dieses herrliche, leichte, lebhafte Glücksgefühl kommt niemals zurück. Es ist wohl der Kinderzeit vorbehalten. Waren die Menschen damals zufriedener, zumindest an solchen Tagen? Trotz der vielen Beschwernisse, die es weiß Gott reichlich gab. Oder schillert nur ein Hauch einer unbekümmerten Kindheit herüber?
Doch seine Gedanken finden gleich zurück ins Heute, aber auch in die leise, bange Hoffnung, dass sich jetzt endlich dieses triste Grau der letzten Wochen, das seine Seele einschnürt, in lichteren Farben verliert.
Für ihn liegt nichts Bedrohliches in dieser dunklen, blaugrauen Wand, eher Ermutigendes, ein Lichtblick schreibt sich in diesen Himmel – Schnee.
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